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5 gute Gründe Freelancer zu beschäftigen

Monday, January 25th, 2010
  1. Geschwindigkeit
    Freelancer arbeiten für sich und meist ohne feste Arbeitszeiten. Eine auf 40-Stunden limitierte Arbeitswoche ist den meisten Freelancern fremd. Deshalb können dringende Projekte unter Umständen viel schneller umgesetzt werden. Desweiteren nehmen die meisten Freelancer nur eine überschaubare Menge Kundenaufträge an, um jedem Kunden und deren Projekten angemessene Aufmerksamkeit schenken zu können.
  2. Qualifikation
    Für jedes Projekt kann exakt qualifizierte Arbeitskraft genutzt werden. So entfallen lange Zeiten der Einarbeitung, die Zeit kostet und die der Auftraggeber gegebenenfalls vergüten müsste.
  3. Kosten
    Im Gegensatz zu Agenturen haben Freelancer viel geringere Ausgaben, da sie z.B. oftmals kein gesondertes Büro oder Personal beschäftigen. Aber nicht nur deshalb zahlt der Auftraggeber nur die tatsächliche Leistung: Da nur die Arbeitsstunden vergütet werden, entfallen auch Kosten für Ausfall-, Pausen- oder Wartezeiten.
  4. Erfahrung
    Freelancer haben, zumindest was das Arbeiten mit verschiedenen Kunden, Projekten und Firmen angeht, meist viel Erfahrung. Sie haben viele verschiedene Arten und Weisen gesehen, Projekte umzusetzen. Sie haben ein breites Spektrum von Menschen in der Branche nicht nur kennen gelernt, sondern auch von ihnen abgeguckt. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen können viel neuen und sinnvollen Input einbringen.
  5. Direkte Kommunikation
    Ein einziger Ansprechpartner, der für den Arbeitsablauf verantwortlich ist, der alle Zusammenhänge kennt und einem immer sofort weiter helfen kann. Keine Warteschlangen-Melodien, kein “Den gleichen Sachverhalt 5 Leuten nacheinander erklären” und keine “Das war mein Kollege”-Ausreden. Klingt doch fast zu schön um wahr zu sein!

Natürlich soll das nicht heißen, man soll sein fest angestelltes Team raus kicken und durch einen Haufen Freelancer ergänzen. In den meisten Firmen sind festangestellte Mitarbeiter unerlässlich. Außerdem sieht der Gesetzgeber vor, Vollzeit-Beschäftigungen auch als diese zu entlohnen (siehe Scheinselbständigkeit für mehr Informationen).
Für Start ups, deren Budget geschont werden will, die möglichst flexibel bleiben müssen und/oder bei denen zumindest anfangs keine durchgehende Beschäftigung anfällt, kann die Zusammenarbeit mit Freelancern durchaus sinnvoll sein. Auch bei Projekten, für die man ggf. eine Agentur verpflichten müsste oder das festangestellte Personal nicht ausreichend oder effizient qualifiziert ist, können freie Mitarbeiter einen wertvollen, leistungs- und kostenorientierten Beitrag leisten.

Kontrolle der Arbeitsleistung

Tuesday, January 12th, 2010

Natürlich ist es wichtig, die Leistung seines Teams zu begutachten und zu beurteilen. Aber nur wer die Balance zwischen Sinnhaftigkeit und Effizienz halten kann, wird sich erfolgreich ein Bild von den Abläufen im Unternehmen machen können.

Alleine zum Thema “Verkaufsteam” könnte man leicht die Seiten eines Buches füllen. Das heißt nicht, dass es unbedingt schwer und zeitaufwendig sein muss, sein Verkaufsteam zu kontrollieren – aber es gibt nicht nur viele verschiedene Formen des Verkaufens, sondern auch viele viele individuelle Gegebenheiten, die alle eine Rolle spielen, wie erfolgreich ein Verkäufer sein kann. Ich will das mal an einem Beispiel veranschaulichen:

Nehmen wir mal an, mein Unternehmen vertreibt deutschlandweit Büromöbel. Ich habe 6 Außendienstmitarbeiter, die alle ein bestimmtes, festgelegtes Gebiet haben, in welchem sie meine Produkte an den Mann bringen sollen. Jetzt möchte ich die Arbeitsleistung dieser Verkäufer beurteilen. Wie mache ich das? Gucken, wer die “größte Hausnummer” an eingegangenen Bestellungen hat, und den zum König krönen? Oder gibt es für mein Unternehmen vielleicht bestimmte Umstände, die in meine Beurteilung einfließen müssen? Das könnten z.B. sein:
1. Die betrieblichen Umstände
Wieviel Gewinn bringt mir mein Verkäufer? Rabatte oder kostenlose Zusatzleistungen, die dein Außendienstmitarbeiter verhandelt, bringen ihm den Auftrag – aber dir den finanziellen Verlust. Deshalb solltest du dich ausschließlich an den Gewinnspannen orientieren, und nicht an der Summe auf einem Bestellschein. Desweiteren entstehen dir laufende Kosten für Dienstfahrten, Mobiltelefon, den Kunden auf einen Kaffee einladen… auch diese Ausgaben muss man vielleicht im Auge haben. Wer den Kunden jedesmal erst ins Ritz einladen muss, um einen Auftrag zu kriegen, ist eventuell nicht der Verkaufsheld, für den du ihn hältst – er kostet dich viel zu viel! Auch nicht außer Acht lassen sollte man, wieviele potenzielle Kunden im Durchschnitt angesprochen werden, bis ein Auftrag erzielt wird. Schließlich entscheiden sich hier potenzielle Kunden tatsächlich gegen dein Unternehmen – die Anzahl deiner potenziellen Kunden verringert sich also. Und hier kommt es auf dein Unternehmen an, wer überhaupt potenzieller Kunde ist. Wenn du ein einzigartiges Produkt hast für eine ganze Branche, und jeder von denen kann dieses Produkt gebrauchen, dann hast du viele potenzielle Kunden. Ich mit meinen Büromöbeln kann aber nicht sagen, dass “alle Büros in Deutschland” potenzielle Kunden sind – ich habe viel Konkurrenz, es gibt die Branche seit Jahrzehnten, und manche Büros kaufen ihre Möbel garnicht bei einem Büroausstatter, sondern beim Privat-Discounter. In meinem Fall wäre die Anzahl Cold Calls gegenüber dem Gewinn also sehr unfair gegenüber meinem Verkäufer – der Vergleich “Anzahl Angebote” gegen “Anzahl Aufträge” wäre da vielleicht schon sinnvoller. Und die Anzahl Servicetelefonate? Dafür ist mein Außendienst viel zu teuer, das sollen die um Himmels Willen an einen Ansprechpartner im Büro übergeben!
2. Die gegebenen Umstände
Hier spielt z.B. das Verkaufsgebiet eine nicht zu unterschätzende Rolle. Jemand, der durch den Schwarzwald fährt, wird sicherlich bei gleichem Zeitaufwand weniger potenzielle Kunden besuchen können als jemand, der in die Kölner Innenstadt fährt und dort einfach mal alle 80 Büros aufsucht, die dort in diesem Monat eröffnet werden. Der Mitarbeiter aus dem Schwarzwald wird sicherlich auch höhere Ausgaben haben, wenn er hunderte Kilometer durch den Schwarzwald fährt. Das kostet ihn auch viel Zeit, die er nicht oder nur sehr begrenzt für weitere Verkaufsgespräche nutzen kann. Aber bei genauerem Hinsehen merkt man vielleicht, dass genau dieser Mitarbeiter eine Erfolgsquote von 80% hat. Wäre der in Köln unterwegs, würdest du dich vielleicht vor Aufträgen kaum noch retten können!

Anders sähe es z.B. aus, wenn ich nicht Büro-Möbel, sondern Büro-Verbrauchsmaterialien verkaufe. Dann muss ich nicht nur miteinbeziehen, dass ein neuer Kunde geworben wurde – bleibt er mir auch über einen langen Zeitraum als Kunde erhalten, und wieviel investiert er langfristig in meine Produkte? Wenn mein Verkäufer dem Kunden hier das Blaue vom Himmel verspricht, nur um seinen Bonus zu kriegen, werde ich dem Kunden langfristig viele Zugeständnisse machen müssen oder ihn als Kunden verlieren.

Worauf ich hinaus will ist: Es gibt kein Patentrezept, keine Zauberformel, keinen Supercomputer, der dir auf die Frage “Macht mein Angestellter einen guten Job?” mit einem klaren “Ja” oder “Nein” antwortet. Auch wenn viele Unternehmensberater das Gegenteil behaupten.

Aber wie kontrolliere ich nun in der Praxis?
Mit gesundem Menschenverstand. Mit Kommunikation. Mit “Dabei sein”. Und mit einer guten ERP-Software, die die Pflege und Auswertung der (relevanten!) Zahlen _weitesgehend_ automatisiert.

Ich stehe euch natürlich gerne für Detail-Fragen zur Verfügung und würde mich über einen regen Austausch von Praxiserfahrungen sehr freuen!

Über Kontrollwahn

Wednesday, January 6th, 2010

Ich hatte neulich die Gelegenheit, bei einer Firma mal in den “Evaluation Process” reinzuschauen, und ich war wirklich schockiert. Da muss ein langjähriger Angestellter im Kundenservice Angst um seinen Bonus haben, weil ihm sein Vorgesetzter beim Punkt “Wasser sparen” leider nur 3 von 5 möglichen Punkten gegeben hat. Angst vor Spitzeln und Überwachung – jetzt also auch schon vor dem Handwaschbecken, meine Damen und Herren! Andere Firma, gleiches Maß an Wahnsinn: Angestellte wird fristlos entlassen, weil sie unerlaubterweise den Internetzugang privat genutzt hat. Warum? Sie hatte freiwillig unbezahlte Überstunden gemacht um einen dringenden Kundenauftrag abzuwickeln, und hatte zu später Stunde geschaut, wann sie einen Bus nach hause erwischen kann. Vor Gericht hätte die Dame die Kündigung sicherlich unwirksam machen können – wollte sie aber garnicht. Wer will schon für so einen Laden arbeiten?

Aber echter Kontrollwahn zeichnet sich nicht nur durch Schikane der Angestellten aus; echter Kontrollwahn hat auch weder Sinn noch Verstand. Ein Praxisbeispiel: Der Außendienst einer Handelsfirma bekommt die Anweisung, jeden Tag genau darüber Buch zu führen, wie viele Cold Calls, Angebote, Servicetelefonate etc.  gemacht wurden. Ganz schön aufwendig. Nicht nur für die Außendienstmitarbeiter, sondern auch für die Vorgesetzten, die diese Zahlen und Vorgaben regelmäßig kontrollieren müssen. Dann hat jemand den Einwand, dass “200 Cold Calls” ja nicht beweisbar sind und hier ja “Raum für Manipulation und Betrug” wäre. Also sollen die Salesleute von nun an auch aufschreiben, welche Firmen angerufen wurden, mit wem man worüber gesprochen hat und die Kontaktdaten hinterlegen, damit gelegentlich stichprobenartige Kontrollen durchgeführt werden können. Das nun ca. 30 bis 40% der Arbeitszeit dieser Verkäufer für Schreibarbeiten draufgeht und eben nicht für das Verkaufen, ist schonmal vom Prinzip her schlecht für ein Handelsunternehmen. Aber weiterhin wird sich hier ganz schnell Frust im Team breit machen: Nicht nur wegen der deutlichen Demonstration fehlenden Vertrauens, sondern auch, weil ein Verkäufer mit stupider Schreibarbeit schlicht und ergreifend nicht glücklich ist. Das ist nicht sein Ding. Sein Ding ist verkaufen.

Liebe Leser, ich bin kein allwissendes Orakel, aber bei der Sache bin ich mir ganz sicher: Mit Überwachung, Kontrolle und Druck erreicht ihr genau das Gegenteil von dem, was ihr wollt. Eure Mitarbeiter werden frustriert, genervt und ängstlich sein, und so erreicht man nichts. Es ist für niemandem, in keinem Beruf, förderlich. Die Konzentration sinkt und damit auch die Effizienz, der Frust steigt und so sinkt das Engagement, und niemand wird sich Mühe geben, einen großartigen Job zu machen für Menschen, die dem weder trauen noch dies schätzen.

“Vertrauen ist gut; Kontrolle ist besser” manifestiert sich in unseren Köpfen leider immer mehr. Heute besteht Mr. 0 8 15 auf einen Ehevertrag; Eltern machen sich falsche Facebook-Accounts, um ihre Kinder auszuspionieren, und Firma XY behält sich vertraglich das Recht vor, alle Angestellten und deren Eigentum zu jedem Zeitpunkt unangemeldet durchsuchen zu können. Was für ein Armutszeugnis für uns und unsere Gesellschaft, und was für eine Sackgasse im Streben nach wirtschaftlichem Erfolg!

Freut euch auf den nächsten Post; dann gibt es Tipps und Tricks für sinnvolle Kontrolle der Arbeitsleistung.

Unsinn. Aber mit Tradition!

Monday, December 14th, 2009

Und schon wieder haben mich die Frisör-Geschäfte der Meckenheimer Hauptstraße zu einem neuen Blog Post inspiriert. An dieser Stelle also herzlichen Dank für den ungewollten Input!
Ich kam gerade vom einkaufen, und bin an 4 der besagten Läden vorbei gekommen. Alle 4 waren geschlossen. Ist ja Montag. Montags haben Frisör-Geschäfte geschlossen. Jetzt nennt mich verrückt, aber wäre es nicht für zumindest einen dieser Läden vorteilhaft, montags geöffnet zu haben? Das ist die Art von “traditionellem Unsinn”, den ich nicht verstehe. Genauso wie die irren Preise in Hotel-Minibars. Warum sollte eine Cola aus der Minibar mehr kosten als an der Hotelbar? Während meiner Hotelausbildung habe ich natürlich auch 3 Monate im Housekeeping gearbeitet, und ich kann euch garantieren: Ich habe mehr Zeit damit verbracht Haltbarkeitsdaten zu prüfen, als tatsächlich verbrauchte Getränke oder Snacks zu ersetzen. Berechnet man die Anschaffung und den durchgehenden Stromverbrauch, müsste der Return of Investment von Minibars beim Durchschnittshotel nach meiner Einschätzung irgendwann um 2056 sein. Und wie oft ich in Zimmer kam, wo der Inhalt der Minibar auf dem nächsten Regal geparkt war, um Platz für die gast-eigenen Supermarkt-Flaschen zu machen… Und ich kann das bestens verstehen; ich mache das auch oft so. Weil € 3,90 für eine 0,25l Flasche Cola oder € 3,00 für einen 50g Toblerone-Riegel einfach lächerlich ist.

Ich verstehe es nicht. Wer kann mich aufklären? ;)

“Könntest du kurz mal…”

Friday, December 11th, 2009

Als ich das hier gelesen habe, musste ich herzhaft lachen. Es ist eine krasse Version von einer Tatsache, die wohl jeder Selbstständige kennt: Die Menschen in deinem Umfeld nehmen deine Zeit nicht mehr richtig ernst. Aber meistens meinen sie es garnicht böse. Ich habe das selbst früher mit meinem Freund so gemacht. Ich hatte einen Tag frei, also ging es ab zu Ikea, Großeinkauf beim Supermarkt, danach bitte noch beim Aufbau helfen, und hey! Wäre es nicht klasse, wenn wir jetzt noch die Wohnung mal wieder richtig auf Vordermann bringen? _Er_ kann sich die Zeit ja einteilen.
Jetzt bin ich selbstständig, und dieses Phänomen hat nun auch mich eingeholt. Und es ist schon seltsam. Du kannst dir doch tagsüber mal die Zeit nehmen, x für jemanden zu erledigen – deine Arbeit kannst du dir ja einteilen. Du kannst doch abends mal mit y helfen – du musst ja morgens nicht früh raus. Du hast doch keine Arbeitszeiten!!

Aber solange ich solche Leute wie in dem oben genannten Beispiel von mir fern halten kann, will ich mich ja garnicht beschweren! :)

Kleine Dinge mit viel Wirkung

Thursday, December 3rd, 2009

Ich war letzte Woche auf dem Weihnachtsmarkt in Troisdorf unterwegs. Ich musste mir sehr dringend die Hände waschen, also bin ich ins Restaurant “Steffens Eck” und habe höflich gefragt, ob ich mir ausnahmsweise kurz die Hände waschen darf. Durfte ich nicht. Mal abgesehen davon, dass ich das menschlich ganz furchtbar finde (war nicht jeder schonmal in der Situation, dringend eine Toilette aufsuchen zu müssen?), auch abgesehen davon, dass ich nicht gerne essen würde bei Leuten, die anderen nichtmal das Händewaschen genehmigen: Auch meinen anderen Gästen gegenüber wäre es mir unendlich peinlich, jemandem mit einem solch einfachen und dringenden Gesuch so abzuschmettern. Bei mir als unbeteiligtem Gast würde das einen sehr negativen Eindruck hinterlassen.
Aber es geht ja auch anders: Im Eiskaffee Ecke Kölnstraße / Von-Loe-Straße wurde ich nicht nur sehr nett empfangen und mir der Gang zur Toilette genehmigt; beim Rausgehen hat der Besitzer sogar noch sehr freundlich “Danke und einen schönen Tag noch!” gerufen. Und wisst ihr was? Wann immer ich in Troisdorf bin, und Durst auf einen Kaffee habe, werde ich genau dorthin gehen. Selbst wenn es ein Umweg ist. Die haben mich als ewigen Fan gewonnen! Den Cappuccino, den ich mir später dort noch gegönnt habe, kann ich auch nur empfehlen. Sehr lecker, und ein äußerst fairer Preis. Und alle Angestellten dort sind wirklich auffallend freundlich, ohne das es gekünstelt wirkt. Da hat jemand auch beim Recruitment alles richtig gemacht!

So “einfach” kann man manchmal schon Fans gewinnen.
An dieser Stelle also Danke an das Team dieser Eisdiele, deren Namen ich im Internet leider nicht finden konnte; ihr seid voll cool! :-)
Wenn ihr euch jetzt noch bei Google eintragt (es ist kostenlos!) habe ich garnichts mehr zu meckern! :-)

Du musst wenigstens besser sein als dein Kunde

Friday, November 20th, 2009

Dieser Post schließt sich fast an den Vorherigen an. Aber keine Angst, es gibt nicht nur das Frisör-Beispiel! :-) Aber weil es sich hier als überbrückende Einleitung so eignet, fange ich damit mal an.

Bis auf das Haare schneiden mache ich alles,  was ich früher beim Frisör habe machen lassen, wie Färben, Augenbrauen zupfen und färben, oder auch mal eine Hochsteckfrisur, selber. Die pure Verzweiflung hat mich dorthin getrieben, und nun kann ich das alles so gut, dass ich kaum noch Frisöre finde, die mich mit ihrem Werk beeindrucken können. Ganz schön traurig, wenn man bedenkt, dass der Kunde durchschnittlich € 60 pro Stunde für dieses “Handwerk” zahlen soll.

Solche Situationen wecken manchmal den tief schlummernden Erschaffer in uns.
Und das kann man doch auf unendliche viele Dienstleistungsbereiche anwenden:
- Ich fühle mich in meinem Fitnessstudio nicht betreut und denke mir “Na dann kann ich ja auch joggen gehen – spart mir Zeit und Geld”.
- Ich habe mir im Copy Shop irre teure Visitenkarten drucken lassen, die so schief gestanzt wurden und so jämmerlich aussehen, dass ich die jetzt lieber selber drucke.
- Die Croissants beim Bäcker schmecken wie Isolierwolle und sollen € 1,25 das Stück kosten, obwohl ein Paket Blätterteig (für 4 Stück) für unter € 1 zu haben ist.
- Die Fotos vom Fotografen, für die ich -ohne Entwickeln!- € 50 bezahlt habe sehen so laienhaft aus, dass das ab jetzt mein Freund mit der Digicam übernimmt. Mit einem Bettlaken und GIMP sieht das Ganze sogar richtig ordentlich aus.

Und ich könnte noch ewig so weiter machen!

Halbherzige Dienstleistungen kann man sich heute nicht mehr teuer bezahlen lassen. Die Zukunft wird euch einholen meine Lieben, und euch ordentlich ins Gesicht spucken. Alleine durch das Internet kannst du deinem Kunden heute kein X mehr für ein U vormachen – der kann _alles_ nachlesen! Inzwischen müssen sich sogar Herzchirurgen regelmäßig Fachwörter von ihren Patienten um die Ohren hauen lassen – es ist ja alles nur einen Klick entfernt. Technik ist gut und günstig wie nie zuvor, “basteln” und “rumschrauben” wird wieder in…
Wer nicht spätestens jetzt auf “Dienst” und “Leistung” umschwenkt, wird gnadenlos vom Markt gefegt werden.

Marktpositionierung: Ja bitte wo denn?

Friday, November 20th, 2009

Ich nehme hier mal wieder mein beliebtes Beispiel Frisör, denn da muss jeder mal hin. Aus meiner Sicht gibt es für einen Frisörbetrieb diese generellen Positionierungsmöglichkeiten:

Low Budget
Frisierplatz reiht sich an Frisierplatz, es geht ein wenig chaotisch zu, schnelle Kundenabfertigung. Bei € 20 für einen Damenschnitt auch durchaus zumutbar. Standards wie Fönen, Frisieren oder ne Haarkur werden (gegen Aufpreis) angeboten.

Standard
Klingt ein wenig negativ, muss es aber nicht sein. Manchmal ist es besser die einfachen Dinge richtig zu können als tausend Dinge halbherzig zu machen. Wer also ein paar nette Extras beherrscht oder anbietet, wie z.B. kostenlosen Kaffee, Hochsteckfrisuren und ein gewisses Maß an Kundenservice, kann sich schnell einen Kundenstamm aufbauen, der auch gerne mehr zahlt.

High Class
Prosecco, Haarkur, Augenmassage? Wer das Dreifache für einen Haarschnitt bezahlt, kann auch einen entsprechend höheren Mehrwert erwarten. Eine zusätzliche Servicekraft, die ausschließlich für die Betreuung der Kunden und evtl. dem lupenreinen Auftritt des Geschäfts zuständig ist, ist meiner Meinung nach existenziell.

Und was macht der Durchschnitts-Frisör?
Der pickt sich die gewinnbringendsten, billigsten und einfachsten Punkte aus allen 3 Möglichkeiten raus!
Übrig bleibt:

  • Frisierplatz reiht sich an Frisierplatz
  • Es geht chaotisch zu
  • Schnelle Kundenabfertigung
  • Jeder Mist muss extra bezahlt werden
  • Das Angebot ist begrenzt
  • Es gibt höchstens Kaffee kostenlos, und auch nur, wenn lange Wartezeiten entstehen
  • und das Personal guckt dich kaum mit dem A**** an, wenn du rein kommst.

Und das alles dann aber bitte für den dreifachen Wert, der für diese Abfertigung angemessen wäre. Schließlich sind die Sperrholz-Möbel recht nett anzusehen, und man bietet tolle Wella-Produkte an. (Fast) Ein echter High Class Laden eben!!1!

Auf der Meckenheimer Hauptstraße gibt es 6 Frisörgeschäfte auf einer Länge von so 300 m – wie das überhaupt funktioniert ist mir schleierhaft. Wir sind hier ja nicht in Manhatten. Bei 3 von denen war ich jetzt schon, und von denen sieht mich keiner wieder. Ich würde sowohl zu einem High Class Laden als auch so einem Low Budget Geschäft gehen – so lange sie das was sie machen richtig machen, bin ich für alle Richtungen offen. Ich ahne aber nichts gutes – hat halt einen Grund, dass ich die verbleibenden 3 nicht zuerst aufgesucht habe. Und da ich in Bonn alle kenne und keinen schätze wird es wohl oder übel darauf hinaus laufen, dass ich eine Bekannte (und sehr talentierte Frisörin) bezahle 2 x 50 km zu fahren, um meine Haare zu schneiden.
Schon irgendwie traurig, oder?

Wo bin ich hier?!

Monday, October 26th, 2009

Im ruhigen und beschaulichen Meckenheim gibt es ein neues Bekleidungsgeschäft. Nichts Spektakuläres; ein bisschen Street One, ein bisschen S. Oliver, ein bisschen Esprit – so wie zig tausende andere Läden auch. Aber schlecht fand ich die Idee nicht, Basics wie Schals, Shirts oder Hosen in der Nähe ersteigern zu können. Gepaart mit einer ordentlichen Portion Kundenbetreuung hat sowas anderswo schon sehr lukrativ funktioniert. Gerade weil die meisten Einkaufsmeilen so überlaufen und chaotisch sind, hat man als kleiner Laden außerhalb echt große Chancen genau diese Kunden anzusprechen, die beraten, bedient oder auch nur irgendwie beachtet werden möchten.
Ich also da rein, natürlich mit super Laune, so wie das halt ist, wenn Frauen ein Geschäft betreten. Außer mir war in dem großen, lichtdurchfluteten Raum nur eine weitere Kundin, eine Verkäuferin sortierte Kleidung in den Regalen, eine weitere war im Kassenbereich mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Es wäre ein Einfaches gewesen, mich beim Betreten des Geschäfts zu begrüßen, aber – nichts. Nichtmal ein Blick in meine Richtung. Ok… ich schau mich mal ein wenig um und warte, was passiert. Aber es passiert nichts. Selbst als ich beim Durchsehen direkt an der einen Verkäuferin vorbei komme – nichts. Kein Aufblicken, keine Reaktion. Null.
Wow, sowas macht mich sauer. Als ich an der anderen Kundin vorbei komme sage ich laut: “Entschuldigen Sie, können Sie mich sehen?” Ich ernte ein zögerliches “Ja?!”. “Gott sei Dank!” erwiedere ich, “ich dachte schon, ich bin unsichtbar!” und raus war ich (auf meine Worte folgte zwar ein erstauntes Aufblicken, aber keine weitere Reaktion). Und Wunder oh Wunder: Ich komme auch nicht wieder.
So schnell kann es gehen. Dumm gelaufen so ganz generell; in einer Kleinstadt mit Produkten, die man überall kaufen kann aber, ist es das Schlimmste, was man falsch machen kann.

Business 2.0

Friday, October 16th, 2009

Mit dem Begriff Web 2.0 spricht man vom Wandel der Internetnutzung durch Facebook, MySpace und Co. Denn während man das Internet früher eher zur Informationsbeschaffung genutzt hat, haben diese Anbieter einen deutlichen Wandel geschaffen: Es wird nicht mehr nur konsumiert, es wird aktiv mitgestaltet. Heute kann jeder ganz einfach seine “Fußstapfen” im World Wide Web hinterlassen.

Lasst uns unsere Unternehmen mehr nach diesem Prinzip gestalten!
Während wir uns heute eigentlich nur noch auf die Trendforscher verlassen, bleiben unsere Kunden viel zu sehr außen vor. Dabei würden besonders kleine und mittelständische Unternehmen von der “Beratung” Ihrer Kunden durchaus profitieren:

  • Dein Kunde weiß, was er will
    Trendforschung ist und bleibt ein Glücksspiel. Ein genauer Einbezug deiner Umstände (Standort, Kundenkreis, etc.) bleibt unberücksichtigt. Dein Kundenstamm hält dir aber alle Türen offen, um eine punktgenaue Analyse zu erhalten. Du erhälst die wertvolle Chance, dich vom “Einheitsbrei” der Konkurrenz abzuheben und deinen Kunden exakt das zu bieten, was sie wollen. Nutze diese Chance!
  • Dein Sympathiewert steigt
    Und das gleich aus drei Gründen: Menschen lieben es, nach Ihrer Meinung gefragt zu werden. Es vermittelt Wertschätzung und Vertrauen. Außerdem wird sich dein Kunde zwangsläufig mehr mit deinem Unternehmen beschäftigen – was die soziale Bindung an dein Unternehmen steigert, besonders wenn dein Kunde sich in den Neuerungen tatsächlich wiedererkennen kann. Des weiteren gibt es ein psychisches Phänomen, wenn man jemand um einen Gefallen bittet: Man würde meinen, dass uns derjenige, dem wir einen Gefallen tun, im Anschluss mehr schätzen und mögen wird. In unserem Kopf passiert aber genau das Gegenteil: Unser Sympathiewert für die Person, der wir einen Gefallen getan haben, steigt. Wahnsinn, aber wahr. Man nennt es den Benjamin Franklin Effekt. Changingminds.org hat sich eingehender mit dem Thema beschäftigt.

Wenn wir unsere Kunden um ihre Meinung fragen, können wir ihnen also nicht nur genau das bieten, was sie wollen, sondern sie mögen uns und unser Unternehmen auch noch mehr. Wenn das nicht vielversprechend klingt!

Ich habe vor einiger Zeit für einen Kunden einen Fragebogen für die Mitglieder seines Fitnessstudios erstellt. Bei Interesse findet ihr die unspezifische Version zum PDF-Download hier auf meiner Homepage. Ihr könnt den Fragebogen 1:1 verwenden oder euch Ideen klauen.
Tipp: Ihr könnt die PDF-Datei mit der freien Grafik-Software GIMP öffnen und euer spezifisches Layout und weitere Eingaben als neue Ebene einfügen.

Ran an die Kunden! :-)