Archive for May, 2010

Do you SPEAK english?

Thursday, May 27th, 2010

Uns Deutschen wird ja viel nachgesagt, und das Meiste davon kann ich eigentlich nicht unterschreiben. Aber eines scheint irgendwie tatsächlich “typisch deutsch” zu sein: Sich für sein nicht-perfektes Englisch zu schämen. Wie oft höre ich “Ich soll Englisch sprechen? Neeeee, das kann ich nicht!” Und es geht dabei selten um einen Vortrag. Schon wenn mal englischsprachiger Besuch da ist, leiden selbst die größten Laberbacken auf einmal an akuter Kiefersperre. Das ist doch verrückt! Besonders wenn man sich mal überlegt, vor wem man sich da eigentlich schämt: Gerade Amerikaner und Engländer sprechen oftmals gar keine Fremdsprache. Für was sollst du dich dann schämen?

Das völlig irre daran ist, dass wir uns umgekehrt wie ein Schneekönig freuen, wenn ein Ausländer dann doch mal 5 Wörter Deutsch spricht. Unser Freund Andres kann genau einen Satz auf Deutsch: “Ich liebe Früchte.” Jedes mal, wenn er diesen Satz loslässt, rasten alle aus vor Begeisterung. Aber selber Englisch sprechen: Nein!! Man könnte ja irgendwo einen grammatikalischen Fehler machen oder gar eine Vokabel vergessen oder jemand könnte den Akzent bemerken!

Es heißt ja nicht umsonst “learning by doing”. Mein Schulenglisch war auch sehr beschränkt; erst durch viele viele Gespräche und dem Hören von Vorträgen und Filme im O-Ton ansehen hat sich dies geändert. Niemand wird dich schief angucken, weil du eine Fremdsprache nicht fließend sprichst. Sich verständigen können, es aber nicht tun – dafür muss man sich schämen!!

Judith im Zwiespalt: Der Demeter-Hof

Friday, May 7th, 2010

Was für ein schöner Zufall: Ich habe erst vorhin überlegt, meine Überlegungen bezüglich Demeter-Höfen und -Produkten mal öffentlich auf meinem Blog zu diskutieren, und gerade (re-) twittert der Holgi das Foto eines Schnittkäses, produziert von einem Demeterhof, mit dem Kommentar “Käse für Schwachsinnige”. Was man ihm, wenn man sich die Texte auf der Verpackung durchließt, wirklich nicht übel nehmen kann. Diese Demeter-Höfe und ihre Betreiber, die sind schon irgendwie abgedreht.

Für alle die jetzt denken “Demeterhof? Häh?” – guckt einfach selbst in die Wikipedia, dafür gibt es sie ja.

In Meckenheim und Umgebung gibt es ja sehr viele landwirtschaftliche Betriebe, und in direkter Umgebung gibt es zwei Demeterhöfe. Vor ein paar Monaten habe ich zufällig eine Reportage im Fernsehen gesehen, in der es um solche Höfe und ihre Art der “biologisch-dynamischen” Landwirtschaft ging. Was man den Demeter-Höfen lassen muss: Die Produkte sind biologisch angebaut und frei von Pestiziden etc.; die Tiere werden vorbildlich gehalten und gefüttert, und alles in allem macht das Ganze einen sehr natürlichen und positiven Eindruck. Ich war auch schon auf “Erkundungsgang” in einem Demeter-Markt in Meckenheim, und ich muss sagen: Das ist eine ganz andere Art des Einkaufens, als im Supermarkt vor dem belichteten Regal mit Obst und Gemüse zu stehen. Ich habe einen Apfel geschenkt bekommen. Der sah zwar nicht so hübsch aus wie die aus dem Supermarkt, aber Himmel, war der lecker. Und der Hof ist gleich um die Ecke. Das ist ein weiterer Vorteil der Demeter-Produkte: Sie können nicht nur objektiv als qualitativer als das Zeug “von der Stange” angesehen werden; sie sind auch noch super frisch und durch die kurzen Transport-Wege super ökologisch.

Und trotzdem ist da diese fade Beigeschmack von “Kosmos” und dieser ganzen spirituellen Weltanschauung, die dem analytischen Teil meines Kopfes überhaupt gar nicht passt und die er nicht gedenkt, finanziell zu unterstützen. Aber irgendwo in mir schlummert auch ein Teil, der echt gerne mal wieder einen “echten” Apfel essen würde.

Ihr habt die vielleicht einmalige Gelegenheit, mich mit euren Argumenten zu überzeugen. Bring it on! :)
Ich muss mir eigentlich mal die Mühe machen, die ganzen Höfe hier abzuwandern – aber es sind soooo viele! Und die sind alle recht klein – ich würde ungern jeden Samstag 12 Höfe abfahren, um meine Einkäufe zusammen zu tragen. Das wird wieder unökologisch… :)
Falls jemand aus der Gegend kommt – ich bin für jeden Tipp dankbar!

Der Kleingeist der Kleinstadt

Thursday, May 6th, 2010

Ich würde eigentlich gerne mal unsere Gartenmöbel streichen – die hätten es echt nötig. Aber ich traue mich nicht… das letzte Mal, als ich die Garage für ein paar Tage für Streicharbeiten blockiert habe, hing prompt ein recht verstörender Zettel an unserer Windschutzscheibe.

Wir haben für ein paar Tage auf einem öffentlichen Parkplatz in unserer Straße gestanden. Wie gesagt, temporär und aus der Not heraus. Und dann war da dieser Zettel, auf dem uns anonym mitgeteilt wurde, dass es eine „Unverschämtheit“ ist, dass wir hier parken, wo wir doch gar nicht in der Straße wohnen.

Also zunächst einmal: Wir wohnen in der Straße.
Zweitens: Ein öffentlicher Parkplatz ist ein öffentlicher Parkplatz.
Drittens: Wie kommt man darauf, einen solchen Zettel zu schreiben?

Ich bin echt die Letzte, mit der man so etwas nicht vernünftig besprechen kann. Wenn mir jemand erklären kann, warum er diesen Parkplatz mehr verdient als ich, bin ich die Letzte, die auf ihr Recht beharrt, besonders wenn mir ein guter Grund geliefert wird. Aber diese Art von Vorverurteilung und Anklage, die stinkt mir gewaltig. Und ich weiß ja nicht einmal, wem gegenüber ich mich jetzt verteidigen könnte!

Was mich aber definitiv am meisten ärgert ist, dass ich mich von dem Schwachsinn beeindrucken lasse und jetzt tatsächlich zögere, unser Auto auf einen öffentlichen Parkplatz zu stellen.