Dieser Bericht von servicereport.eu hat mich dazu inspiriert, mal meinen Senf zum Thema “geistiges Eigentum”, Markenrecht und Plagiate abzugeben.
Zunächst einmal: Wenn dich einer nachahmt, dann ist das gut. Freu dich! Schlechte Ideen finden sehr selten Nachahmer. Wenn du keine Nachahmer hast, ist dein Produkt scheiße.
Jetzt ist natürlich Schluss mit dem “auf den Lorbeeren ausruhen”. Jetzt hast du Konkurrenz, also musst du dein Produkt verbessern. Konkurrenz = Innovation. Was kommt dabei rum? Ein geileres Produkt. Sollte dich freuen. Und deine Kunden erst!
Und ja ja, ich weiß, “Geistiges Eigentum, blabla.” Als hätten sie alle das Rad, die Dampfmaschine oder die Elektrizität erfunden. Haben sie aber nicht. Ihr dürft gerne meine subjektive Meinung kritisieren, aber so wie ich das sehe sind die, die am lautesten brüllen, auch immer die mit den lächerlichsten “Ideen”.
Vor ein paar Monaten habe ich im TV gesehen, wie deutsche Zollbeamte (für die übrigens der Steuerzahler aufkommt) über eine Messe gescheucht wurden, um die ganzen bösen Plagiat-Aussteller auszusortieren. Im Auftrag eines großen Markenherstellers für Küchenequipment wurde ein Aussteller hochgenommen. Wegen einer Rührschüssel. Wie eine Vertreterin des Markenherstellers erläuterte, seien diese Metall-Rührschüsseln mit einem ablaufenden Rand als Tropfschutz sowie einem Gummiring als “Dämpfer” am Boden ausgestattet. Und DAS sei nun durch den Markenhersteller geschützt. Niemand anders darf also Rührschüsseln herstellen, die nicht tropfen oder klappern. Das muss man erstmal sacken lassen…
Und wenn man die nicht-tropfende, nicht-klappernde Version haben will, muss man € 30 bis € 40 ausgeben. Für eine Rührschüssel.
Und damit kommen wir gleich zum nächsten Argument der Markenrechts-Ritter: “Uns entstehen hohe finanzielle Schäden!”. Ich würde im Leben keine € 40 für eine Rührschüssel ausgeben. Genauso wenig wie die kleinen Mädels mit ihren Fake-Luis Vitton-Taschen keine 500 Schleifen für eine Handtasche übrig haben. Und die Damen, die gerne € 500 in eine Handtasche investieren, rennen im Leben nicht mit einer € 10 – Kopie rum.
Die schlimmen finanziellen Einbußen – hier sind ja besonders die Plattenfirmen ganz vehement. Oh Boohoo! Seid lieber froh, dass ihr überhaupt noch was verdient. Eigentlich braucht euch nämlich keine Sau.
Und die armen Musiker erst! Statt alle 2 Jahre mal für 4 Wochen im Studio zu hängen, und dann den Millionen beim Wachsen zuzusehen, müssen die jetzt auf Tour gehen und so! Tragisch, tragisch… und seltsam das Musiker wie Lady Gaga, die alle Videos selbst auf Youtube veröffentlicht, trotzdem die Spitze der Charts anführt. Obwohl man die Musik frei und legal im Web anhören kann, verkauft die Frau Platte um Platte um Platte. Wie kann das nur sein?
Wisst ihr wann ich aufgehört habe, Platten zu kaufen? Ich habe früher echt viel Geld in Platten investiert; von meinen Lieblingsbands, und das sind einige, hatte ich jede Platte im Schrank. Aber dann war da auf einmal der Kopierschutz. Ich als zahlender Kunde werde bestraft für die Taten anderer. Genau DANN habe ich aufgehört, Platten zu kaufen. Nicht vorher, als es die Platten auf einmal frei im Netz gab.
Und die arme Filmindustrie!! Die darf man ja nicht vergessen. Schon komisch, alle haben sie kein Geld, aber gerade erst wurde ein neuer Umsatzrekord mit Avatar aufgestellt. Wie konnte das nur passieren, wo doch alle die Filme im Netz ziehen? Und warum verdienen Schauspieler heute bis zu 20 Millionen für einen Film (!), wenn doch alle pleite sind und quasi am Hungertuch nagen. Ich verstehe es nicht…
Tags: Brand, Business, Geistiges Eigentum, Marke, Markenrecht, Plagiate
Ja, aber.
Wenn ich eine französische (oder norwegische, oder amerikanische,…) Band wäre die sich tolle Musik ausgedacht hat, und dann kommt einfach ein deutscher, äh, Rapper aus Berlin oder so an und verdient mit meiner Musik scheiße viel Geld – dann wär ich schon angepisst. Und froh, dass es solche Gesetze gibt.
Alle hacken sie auf Mongoshido rum.
Warum gönnt dem keiner sein Geld?
Der arme Kerl. Der hat doch sonst nichts.
Ich würde extra nen 10er geben, damit er sich ne Yacht kaufen kann und davon segelt.
Natürlich Melanie, da gebe ich dir 100%ig Recht. Aber das ist für mich “Diebstahl”. Aber eine Firma, die weder Tropfschutz noch Gummiring erfunden hat; sich das aber im Zusammenhang mit “Metall-Rührschüssel” einfach so schützen lassen kann – das ist in meinen Augen eine Beleidigung des Wortes “geistiges Eigentum” und derer, die wirklich etwas Tolles erfunden oder erschaffen haben.
Und was die Film- und Musikindustrie etc. angeht bin ich der Überzeugung, dass man mit wertvoller Arbeit auch wertvoll belohnt wird. Vielleicht geht das nicht mehr “so einfach” wie vor 30 Jahren, aber so wie die Kutscher sich damals mit den Autos abfinden mussten; genauso müssen besagte Industrien einfach mal die Zeichen der Zeit verstehen und diese nutzen, anstatt darüber zu klagen, wie toll doch alles früher war. Beispiele, wo dies ganz wunderbar funktioniert hat, gibt es Unzählige.
Sven, da bin ich sofort dabei!
Oder wenn ich mir eine tolle neue Software ausdenken würde, die es so noch nicht gibt. Dann würd ichs auch keinem erzählen, bevor ichs nicht entwickelt und geschützt hab. Meinjanur.
Warum ist es so schlimm wenn ich meine Ideen schützen möchte? Wie du schon schriebst, das Rad neu erfinden geht eben nicht. Aber Gummiring und Schüssel kombinieren, das hat scheinbar vorher niemand getan. Was ist an der Idee weniger wert als an der Erfindung des Rades?
Innovation und Konkurrenz schön und gut, aber manches kann man schlicht nicht großartig verbessern. Wer bestimmt was “am tollsten” und somit “am schützenswertesten” ist?
Nicht großartig verbessern? Mir fällt spontan _nichts_ ein, was meiner Meinung nach dem Status “absolut perfekt” gerecht würde. Dir?
Und zwischen einem Musikstück und besagter Rührschüssel besteht doch nun wirklich ein sehr deutlicher Unterschied. Niemand ist hier bei denen ins Lager eingebrochen und hat dann deren Produkte auf einer Messe verkauft – die haben etwas ähnliches nachgemacht. Das Rad darf auch von mehr als einer Firma gebaut werden. Erfreulicherweise!
Klar ist das für den Unternehmer eine wünschenswerte Situation. Ein Freifahrschein, wenn man so will. Aber wenn die Benefits des Ganzen im Verhältnis 1:7.000.000.000 stehen, dann bin ich einfach für die Mehrheit!
Wo wären wir heute, wenn es nur eine Computerfirma, einen Autobauer, eine Ölfirma geben würde?
Wir brauchen nicht nur gute Ideen; die Wirtschaft braucht vor allem eine gute Umsetzung. Und die erreichen wir nur durch Vielfalt und Innovation. Nur eine Idee zu haben reicht nicht aus. Eine Idee ist nichts wert, solange sie nicht (gut) umgesetzt wird. Und genau das ist der wunde Punkt bei dieser Art Unternehmer, die sich schon einen Anwalt suchen, bevor sie überhaupt mal mit der Arbeit beginnen.
Wo hab ich gesagt, etwas wäre “absolut perfekt”? Naja, ich wüsste jetzt nicht wie man den klassischen Kaffeelöffel verbessern sollte. Aber vielleicht bin ich einfach nicht kreativ genug. -.-
Ich sehe keinen Unterschied zwischen einem Musikstück und einer Rührschüssel. Ich meine, ja klar seh ich einen _Unterschied_, aber eben nicht in dem Kontext.
Und ich glaube wir reden aneinander vorbei.
Vielleicht sollte ich mal “durchscheinen” lassen, dass ich nicht “gegen” Markenrecht bin. Ich wollte eine kontroverse Diskussion anstoßen. In den letzten Tagen habe ich fast ausschließlich Kommentare von “Steve” bekommen, in denen er seinen “private Porn stash” anpreist – diese Entwicklung gefällt mir sehr viel besser.
Bei besagtem Musikstück aber wurde so weit ich weiß zweifelsfrei nachgewiesen, dass dieses Stück _kopiert_ wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Übereinstimmungen Zufall waren, konnte ausgeschlossen werden.
Das mit “absolut perfekt” kam von mir – weil ich finde, dass man Dinge sehr wohl verbessern kann, und die Wirtschaft allgemein davon sogar profitiert, genau wie die Kunden, die im Endeffekt ein besseres Produkt erhalten. Der Kaffeelöffel ist da ein super Beispiel. Verbesserung kann ja auch bedeuten, dass man Kosten im Produktionsprozess einspart, und ein Produkt daher günstiger anbieten kann. Und trotzdem kaufen die Leute weiterhin teures Silberbesteck. Aber wir “Normalos” müssen deswegen nicht mit den Händen essen; für uns gibt es Alternativen.
Was “den Unterschied” angeht, sehe ich da sehr wohl eine Grenze. Bei besagter Rührschüssel wurde kein Spion in die Produktion geschmuggelt; es wurden auch keine Konstruktionspläne geklaut. Und diese Rührschüssel gibt es ja in einer sehr ähnlichen Version schon seit bestimmt 60 Jahren. Dann wurde es vor ein paar Jahren auf einmal „in“, Küchengeräte aus Metall oder mit Metall-Gehäuse zu produzieren. Diese zwei Komponenten zusammen zu führen, ist keine „Erfindung“ in meinem Verständnis, und Tausend andere wären da über kurz oder lang auch drauf gekommen. Auf das Rad übrigens auch.
Meine Kernaussage ist eigentlich: Haltet euch nicht an eurer Idee auf, sondern arbeitet an einer guten Umsetzung – dass ist tausend mal erfolgversprechender als die „Heulerei“ nach schärferen Kontrollen und das Schimpfen auf Plagiate. Und ich bin halt auch der Meinung, dass Plagiate nur bedingt für finanzielle Schäden verantwortlich gemacht werden können. Vielleicht – und hier bin ich wieder bewusst kontrovers – stützen Plagiate sogar die originale Marke. Denn die Teenager, die heute besagte Handtaschen kaufen, werden vielleicht viel eher ein Markenprodukt kaufen, wenn sie es sich dann leisten können – den Plagiate stützen ja irgendwie den „Markengedanken“ hinter einem Produkt. Und den Unterschied zwischen Original und Fälschung sieht man ja auch auf 20 m Entfernung – es hat ja schon einen Grund, dass das Original 50 mal mehr kostet als das Plagiat. Mir fällt wirklich kein Beispiel ein, in welchem ich mich jemals gegen das Markenprodukt entschieden hätte; es sei denn, es war so dermaßen außerhalb meiner Liga, dass ich es auch sonst nicht gekauft hätte.
Generell würde es mich einfach freuen, wenn Menschen solche „Probleme“ mit mehr Kreativität angehen würden als mit dem Nachweinen vergangener Tage, als alles noch so einfach war… Es gibt so viele Beispiele, wo das ganz wunderbar geklappt hat.
Im Grunde sind wir einer Meinung – wie langweilig!
Ich glaub es haperte an den Details.
Garnicht langweilig – alles ist besser als Steves Porn stash! *g*