Nanosilber in Sportbekleidung – eine Gefahr für uns und unsere Umwelt?

Ich habe heute einen interessanten Bericht gesehen, der auf die Gefahren hinweist, die mit Nano-Silber behandelte Produkte auf unsere Umwelt haben könnten.

Als Ergänzung zu diesem Artikel von der ZDG möchte ich noch betonen, dass die Bakterien langfristig Resistenzen gegen Nanosilber entwickeln können, was uns wiederum in viel größere Gefahr bringt: In Krankenhäusern z.B. wird hauptsächlich mit Nanosilber desinfiziert.

Versteht mich nicht falsch, mir ist klar, dass es Bereiche gibt, in denen der Einsatz von Nanosilber wichtig und richtig ist. Neurodermitis-Patienten z.B. können ihre Leiden lindern, wenn der generelle “Bakterien-Pegel” auf der Haut reduziert wird.

Beim nächsten Kauf von Sportkleidung, Socken oder anderen Produkten mit antibakterieller Wirkung (durch Nanosilber) sollte man sich aber die Frage stellen, ob sich ein gesunder Mensch über ein paar Bakterien Gedanken machen muss oder die riechenden Füße nicht einfach mal öfter unters Wasser gehalten werden können!

8 Responses to “Nanosilber in Sportbekleidung – eine Gefahr für uns und unsere Umwelt?”

  1. Uli says:

    Nanosilber ist auch n ur ein Hype…

    Ich habe bei einem führenden Waschmittelunternehmen gearbeitet. Lustigerweise hat mein Team dort versucht, Silber in Waschmittel einzuarbeiten, und habe mich daher aus naturwissenschaftlicher Sicht damit beschäftigt.

    Zunächst:

    Nanosilber hat nix mit Nanotechnologier zu tun, es bedeutet lediglich, dass das Metall nicht als Barren im Tresor, sondern als “Nuggets” mit einem Durchmesser von 10 – 100nm.

    Die Wirkung von Nanosilber

    beruht auf der Abgabe von Silberionen, die durchaus desinfizierend wirken. Die nötige Konzentration ist mit 1 Nanogramm pro Liter auch denkbar gering.

    Nun aber zur entscheidenden Anwendung:

    In Anwendungslösungen ist dieses Silber schwer einzuarbeiten, da es dazu neigt, sich eigenständig zu größeren Partikeln zusammenzuschließen. Desweiteren gibt es Nebenreaktionen mit weiteren Inhaltsstoffen (z.B. Enzyme, die dann nicht mehr funktionieren).
    Genau hier liegt der

    Schwachpunkt:

    bei Textilien werden diese Partikel angeblich in die Faser eingearbeitet. Bei Synthetikfasern wäre dies durch “Bedampfung” der Oberfläche möglich, bei Baumwolle nur durch Einlagerung in die Faerstruktur.
    Beide letzte Vorgänge sind reversibel, das heißt umkehrbar. Spätestens mit der nächsten Wäsche, die ja dazu da ist, “Schmutz”partikel von der Faser zu holen, kommt es daher zwangsläufig zum Abtrag des Silbers. Erleichtert wird dies vor allem durch die im Waschmittel enthaltene Zeolithe. Dies sind mineralische Käfige, die die Calcium- und Magnesiuminonen aus dem Wasser einfangen um die Wasserhärte zu senken und die Wirkung der Seifen zu ermöglichen. Silberionen, die ausgewaschen werden, passen da prima rein (auch wenn der Atomradius größer ist, dafür ist die Hydrathülle kleiner) und werden mit dem Waschwasser abgeführt.
    Soviel also zur

    Langzeitwirkung der Textilien.

    Die Auswirkung auf die Umwelt ist sicher vorhanden, allerdings erst dann, wenn der Eintrag von Silber entsprechend groß ist. Hierzu gibt es genügend Vorschriften in der Trinkwasser- bzw. Abwasserverordnung, Silber würde hierin als Schwermetall behandelt. Nähere Untersuchungen hierzu stehen noch aus.

    Die Einführung ins Waschmittel scheiterte übrigens an der kackbraunen Farbe und an der Störung der biologischen Abbaubarkeit. Für die Bekleidungsindustrie gelten leider andere Vorschriften.

    Resümee:

    Meiner Einschätzung nach handelt es sich um einen umsatzfördernden Hype, so wie die Abwrackprämie, Yakult-Joghurt und Multivitamintabletten. Der/ die EndverbraucherIn hat nichts oder vernachlässigbar wenig Vorteile. Wer beim Sport schwitzt, machts richtig, sollte sich aber überlegen ob eine Dusche und ne Waschmaschine nicht einfacher, billiger und hygenischer ist.

    Liebe Grüße
    Uli

  2. admin says:

    Danke für die Erläuterungen Uli!
    Laut dem Bericht ist es nicht möglich, Nanosilber aus dem Klärschlamm zu entfernen. Folglich würden die Partikel also irgendwann auf unseren Feldern landen.
    Ich hoffe du hast recht, dass es sich nur um einen kurzen Hype handelt – allerdings hat der Markt wohl besonders im Bereich Socken einen riesigen Zuwachs.

  3. Nicole says:

    Kurze Frage… ich hatte eben meinen “Traumlaptop” gefunden… von Samsun mit Silberionen in der Tastatur… Grund ihn zu kaufen oder nicht ?!

  4. Judith says:

    Hi Nicole,
    sehr interessante Frage – ich kenn mich leider weder mit der Chemie soweit aus, noch könnte ich sagen, wie sinnvoll das Ganze ist. Diese Silberionen in der Tastatur sollen ja antibakteriell wirken, was natürlich erstmal nicht schlecht ist.
    Uli, kannst du uns da weiter helfen?

  5. Irving says:

    Es ist schon erstaunlich wie unfachmännisch heute Meinungen gebildet werden. Entgegen den von den Umweltorganisationen (z.B.BUND) vorgebrachten Argumenten sind gemäss der amerikanischen Umweltbehörde EPA Nanosilber weder neu, noch eine Gefährdung für Mensch und Umwelt, sondern eine seit Jahrzehnten eingesetzte sichere und vorteilhafte Technologie. Für mehr Info seht mal nach unter:

    http://www.nanowerk.com/news/newsid=13947.php

  6. Judith says:

    Hallo Irving,
    danke für deinen Kommentar. Ich glaube allen ist klar, dass Nanosilber-Technologie nicht neu ist und durchaus seine Vorzüge hat (siehe mein Beispiel für Neurodermitis-Patienten).
    Da du ja vom Fach zu sein scheinst und somit sicher eine fachmännische Meinung hast, würde ich mich sehr über eine Einschätzung deinerseits freuen, warum Nanosilber in Sportbekleidung sinnvoll ist. Auch der Einwand von Uli, die Partikel würden sich eh in schnellster Zeit von der Bekleidung abtragen, ist noch unbeantwortet.
    Wenn du gute Argumente hast bin ich die Letzte, die ihre Meinung nicht gerne der Vernunft nach ändert.

  7. Uli says:

    Hallo,

    hab mal wieder reingeschaut:

    Silberionen in der Tastatur- naja, ich weiß nicht, ob das was bringt. Den Laptop benutzt Du ja selber, sodass eine Verschleppung von Fremdkeime ausgeschlossen sein sollte. Ich denke, es ist schlimmer, den STOP-Knopf vom Bus zu drücken. Wisch die Tastatur doch einfach mit feuchten Tüchern ab.

    Zur EPA: Sie ist keine neutrale (Nichtregierungs)organisation. Studien und Statistiken sind interpretierbar im Sinne der Auftraggeber. Ebensogut gibt es Institute, die z.B. Atomkraft für unbedenklich halten, obwohl wir alle wissen, dass Risiken einfach vorhanden sind- wie hoch sie sind, ist eine andere Frage…

    Ganz liebe Grüße

    Uli

  8. Guter, kritischer Text! Sportkleidung sollte ohnehin nach jeder Benutzung gewaschen werden, alleine aus hygienischen Gründen!

Leave a Reply